Das Springer Quartier in Hamburg gehört zu den bedeutenden innerstädtischen Revitalisierungsprojekten der Hansestadt. Es verbindet den Neubau eines modernen Stadtquartiers mit der denkmalgerechten Sanierung des historischen Axel-Springer-Hochhauses und zeigt damit beispielhaft, wie Architekturgeschichte, moderne Büronutzung, Wohnen, Einzelhandel, Gastronomie und Brandschutz in einem gewachsenen Innenstadtumfeld zusammengedacht werden können. Dort, wo früher der Mittelteil des alten Verlagsgebäudes stand, entstand ein achtgeschossiger Neubau mit Laden- und Gastronomieflächen, Büros sowie Mietwohnungen. Ergänzt wird das Ensemble durch eine dreigeschossige Tiefgarage mit rund 300 Pkw-Stellplätzen und etwa 600 Fahrradstellplätzen, wodurch eine der größten privaten Fahrradgaragen Hamburgs geschaffen wurde.
Insgesamt umfasst das Springer Quartier eine Bruttogeschossfläche von rund 60.000 Quadratmetern. Doch seine Bedeutung liegt nicht allein in der Größe. Besonders spannend ist die architektonische Verbindung zwischen Neubau und Bestand. Das äußere Erscheinungsbild des neuen Quartiers nimmt zahlreiche Gestaltungselemente der 1950er-Jahre auf: eine profilierte Natursteinfassade, große Fensterflächen, eine klare Sockelzone sowie Regel- und Staffelgeschosse. Dadurch entsteht ein eindeutiger Bezug zur Architektursprache des historischen Axel-Springer-Hochhauses, das dem Ensemble als Kopfbau dient und ihm Identität verleiht. Das Projekt ist damit nicht nur ein modernes Immobilienvorhaben, sondern auch ein Beispiel für qualitätsvolles Weiterbauen im Bestand.
Historischer Kontext: Das Axel-Springer-Hochhaus als prägender Kopfbau
Das Axel-Springer-Hochhaus in Hamburg ist eng mit der Mediengeschichte der Bundesrepublik verbunden. Axel Springer ließ das Gebäude zwischen 1950 und 1956 errichten. Es entstand in einer Zeit, in der Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg seine wirtschaftliche und städtebauliche Rolle neu definierte. Das Hochhaus war nicht einfach ein Verwaltungsgebäude, sondern ein sichtbares Zeichen für den Aufbruch eines Medienunternehmens, das die deutsche Presselandschaft über Jahrzehnte maßgeblich prägen sollte. Von hier aus wurden Publikationen gelenkt, die Millionen Menschen erreichten, darunter die BILD, das Hamburger Abendblatt und Die Welt.
Seit 1997 steht das Hochhaus unter Denkmalschutz. Diese Eintragung unterstreicht seinen architektonischen und geschichtlichen Wert. Das Gebäude steht für eine bestimmte Phase der Nachkriegsmoderne, für die Entwicklung des Pressewesens und für Hamburgs Bedeutung als Medienstandort. Besonders bemerkenswert ist, dass sich im 12. Obergeschoss bis heute das original eingerichtete und vollständig restaurierte Büro des Verlegers befindet. Dieser Raum ist mehr als ein historisches Interieur. Er ist ein authentisches Zeugnis der Unternehmensgeschichte und macht deutlich, welche Entscheidungen von diesem Standort aus getroffen wurden.
Als Kopfbau des Springer Quartiers übernimmt das Hochhaus eine städtebauliche Schlüsselrolle. Es verankert das neue Quartier in der Geschichte des Ortes und verhindert, dass der Neubau als austauschbarer Innenstadtkomplex erscheint. Die Identität des Ensembles entsteht gerade aus dieser Verbindung: Das historische Hochhaus erzählt von Verlag, Presse und Nachkriegsarchitektur, während der Neubau die Anforderungen der heutigen Stadt aufnimmt. So wird aus einem ehemaligen Verlagsareal ein lebendiges Quartier mit mehreren Nutzungen.
Das Springer Quartier als innerstädtisches Revitalisierungsprojekt
Das Springer Quartier zählt zu den großen und attraktiven Bauprojekten der Hamburger Innenstadt. Die Revitalisierung folgt einem städtebaulichen Prinzip, das in vielen europäischen Städten immer wichtiger wird: Bestehende zentrale Standorte werden nicht aufgegeben, sondern neu geordnet, ergänzt und zukunftsfähig gemacht. Anstelle einer monofunktionalen Verlagsstruktur entstand ein gemischt genutztes Quartier, das Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Gastronomie und Mobilität miteinander verbindet. Diese Nutzungsmischung ist entscheidend, weil Innenstädte heute mehr leisten müssen als reine Büro- oder Einkaufsstandorte.
Der achtgeschossige Neubau ergänzt das denkmalgeschützte Hochhaus und schafft neue Flächen für unterschiedliche Nutzergruppen. Laden- und Gastronomieflächen im Erdgeschoss beleben die Sockelzone und sorgen dafür, dass das Quartier nicht nur tagsüber von Büroangestellten genutzt wird. Mietwohnungen bringen zusätzliche Urbanität in das Areal und stärken die Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Büroflächen wiederum sichern die wirtschaftliche Funktion des Standorts und knüpfen an die lange Geschichte des Ortes als Arbeits- und Medienstandort an.
Auch die Tiefgarage ist städtebaulich relevant. Neben 300 Pkw-Stellplätzen wurden rund 600 Fahrradstellplätze geschaffen. Gerade dieser hohe Anteil an Fahrradstellplätzen zeigt, dass Mobilität in innerstädtischen Quartieren heute anders gedacht wird als früher. Das Springer Quartier reagiert damit auf veränderte Bedürfnisse von Beschäftigten, Bewohnern und Besuchern. Es ist nicht nur ein Gebäudeensemble, sondern ein Stück zeitgemäße Stadtentwicklung auf historisch aufgeladenem Grund.
Architektur zwischen 1950er-Jahre-Bezug und zeitgenössischer Nutzung
Ein besonderer Reiz des Springer Quartiers liegt in seiner architektonischen Haltung. Der Neubau versucht nicht, das historische Axel-Springer-Hochhaus zu kopieren. Er nimmt jedoch wichtige Gestaltungselemente auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Architektursprache. Die profilierte Natursteinfassade, große Fensterflächen, die klare Sockelzone sowie Regel- und Staffelgeschosse erzeugen einen Bezug zur Architektur der 1950er-Jahre. Dadurch entsteht ein Ensemble, das zusammengehört, ohne historisierend zu wirken.
Diese Art des Weiterbauens ist anspruchsvoll. Wird der Bestand zu stark imitiert, entsteht schnell eine unehrliche Kulisse. Wird der Neubau dagegen zu stark kontrastiert, kann das historische Gebäude seine städtebauliche Wirkung verlieren. Beim Springer Quartier wurde ein Mittelweg gewählt. Die neue Architektur respektiert den Bestand, nimmt Maßstab und Materialität auf und bleibt dennoch als heutiger Eingriff erkennbar. Gerade für ein denkmalnahes Umfeld ist das eine wichtige Qualität.
Die Fassadengestaltung spielt dabei eine zentrale Rolle. Naturstein, Profilierung und großzügige Fensterflächen schaffen eine wertige Anmutung, die zur Innenstadtlage passt. Gleichzeitig unterstützen Staffelgeschosse eine gegliederte Silhouette und verhindern, dass der Neubau zu massiv erscheint. So entsteht ein Quartier, das trotz seiner Größe differenziert wirkt. Das historische Hochhaus bleibt der identitätsstiftende Kopf des Ensembles, während die neuen Gebäudeteile die städtebauliche Struktur ergänzen und aktualisieren.
Sanierungsbedarf am denkmalgeschützten Axel-Springer-Hochhaus
Über die Jahrzehnte hinweg zeigte das Axel-Springer-Hochhaus deutlichen Sanierungsbedarf. Das ist bei Gebäuden dieser Größe und dieses Alters nicht ungewöhnlich. Fassaden, technische Anlagen, Innenausbau, Sicherheitsanforderungen und energetische Standards verändern sich im Laufe der Zeit erheblich. Was in den 1950er-Jahren modern und leistungsfähig war, entspricht nach mehreren Jahrzehnten nicht mehr automatisch den Anforderungen einer heutigen Büronutzung. Eine Sanierung war daher notwendig, um das Hochhaus langfristig nutzbar zu halten.
Geplant wurde die Sanierung vom Hamburger Architekturbüro gmp Architekten, ausgeführt durch die Ed. Züblin AG. Ein wichtiger Bestandteil war die neue denkmalgerechte und energiesparende Fassade. Gerade bei einem denkmalgeschützten Hochhaus ist eine Fassadensanierung besonders sensibel. Die äußere Erscheinung darf nicht beliebig verändert werden, denn sie ist Teil des Denkmalwerts. Gleichzeitig müssen energetische und technische Anforderungen berücksichtigt werden. Die neue Fassade musste also sowohl gestalterisch als auch bauphysikalisch überzeugen.
Neben der Fassade spielte der Innenausbau eine wichtige Rolle. Um modernen Büroanforderungen gerecht zu werden, musste dieser vollständig erneuert werden. Dazu gehörten neue technische Installationen, zeitgemäße Raumstrukturen, aktuelle Sicherheitsstandards und ein Brandschutzkonzept, das mit der denkmalgeschützten Substanz vereinbar ist. Besonders im Bereich des Foyers zeigte sich, wie anspruchsvoll diese Aufgabe war. Hier sollten Offenheit, Licht, historische Anmutung und Brandschutz miteinander verbunden werden.
Das Foyer: Helle Offenheit als denkmalpflegerische Herausforderung
Das Foyer des Axel-Springer-Hochhauses zeichnet sich durch seine helle und offene Gestaltung aus. Um diesen zentralen Bereich gruppieren sich Büroräume mit Glastrennwänden und Glastüren. Solche räumlichen Qualitäten sind für ein Hochhaus dieser Epoche besonders prägend. Glasflächen, schlanke Rahmen und klare Strukturen vermitteln Transparenz und Modernität. Genau diese Wirkung sollte bei der Sanierung erhalten bleiben. Gleichzeitig mussten die heutigen Sicherheitsanforderungen erfüllt werden.
Das Brandschutzkonzept sah vor, zwischen dem Foyer und den angrenzenden Räumen einen Feuerabschluss herzustellen. Konkret bedeutete dies, dass Türen und Trennwände eingebaut werden mussten, die ihre Funktion im Brandfall mindestens 30 Minuten lang erfüllen. Solche Anforderungen sind baurechtlich notwendig, können aber in historischen Innenräumen schnell zu gestalterischen Konflikten führen. Massiv wirkende Brandschutzelemente hätten die Offenheit des Foyers beeinträchtigt und den Charakter der ursprünglichen Gestaltung verändert.
Die besondere Herausforderung lag also darin, Brandschutzqualität zu erreichen, ohne die historischen Vorbilder sichtbar zu verdrängen. Die ursprünglich eingebauten Trennwände bestanden aus einer weiß gestrichenen Stahlrahmenkonstruktion mit Glashalteleisten aus Messing. Die Türen waren als Rohrrahmensystem mit Anschweißbändern gestaltet und entsprachen der Formensprache der 1960er-Jahre. Diese Details prägen den Eindruck des Innenraums. Eine denkmalgerechte Sanierung musste deshalb nicht nur die Maße, sondern auch die optische Wirkung dieser Elemente ernst nehmen.
Brandschutzkonzept: Feuerabschluss mit möglichst originalgetreuer Optik
Brandschutz in einem denkmalgeschützten Gebäude ist immer eine Balanceaufgabe. Auf der einen Seite stehen klare Anforderungen an Sicherheit, Fluchtwege, Brandabschnitte und Feuerwiderstand. Auf der anderen Seite steht der Anspruch, historische Substanz und gestalterische Wirkung zu bewahren. Beim Axel-Springer-Hochhaus wurde diese Balance besonders anspruchsvoll, weil die brandschutztechnisch relevanten Elemente im sichtbaren Bereich des Foyers lagen. Türen und Trennwände sollten funktional leistungsfähig sein, aber optisch so wenig wie möglich von den Originalelementen abweichen.
Die Anforderung von mindestens 30 Minuten Funktionserhalt im Brandfall bedeutete, dass die neuen Bauteile nicht nur wie historische Trennwände aussehen durften. Sie mussten als geprüfte Brandschutzelemente wirken und ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen. Gleichzeitig sollte die leichte, transparente Atmosphäre des Foyers erhalten bleiben. Glas spielte dabei eine zentrale Rolle. Glastrennwände ermöglichen Sichtbeziehungen, lassen Licht durch und verhindern, dass der Raum in kleine, abgeschlossene Bereiche zerfällt.
Entscheidend war die detailgetreue Nachbildung. Die neuen Elemente mussten die Proportionen der historischen Konstruktionen aufnehmen. Rahmenbreiten, Farbgebung, Glashalteleisten, Türdetails und Beschläge beeinflussen die Wirkung stark. Schon kleine Abweichungen können dazu führen, dass ein Bauteil wie ein moderner Fremdkörper erscheint. Beim Springer Quartier ging es deshalb nicht nur um Brandschutztechnik, sondern um handwerkliche Präzision und denkmalpflegerisches Feingefühl.
Umgesetzte Brandschutzelemente von HOBA
Für die Umsetzung der Brandschutzanforderungen wurden spezialisierte Brandschutzelemente von HOBA eingesetzt. Der Bauherr hatte bereits bei einem anderen Projekt gute Erfahrungen mit HOBA gemacht, weshalb das Unternehmen zur Beratung bezüglich der Einbaudetails von Türen und Trennwänden hinzugezogen wurde. Die zentrale Besonderheit des Auftrags bestand darin, die Bestandselemente originalgetreu nachzubauen und gleichzeitig die geforderte Brandschutzqualität zu erreichen. Diese Verbindung aus technischer Sicherheit und denkmalnaher Gestaltung machte das Projekt besonders anspruchsvoll.
Anders als bei den historischen Originalen wurden die neuen Elemente nicht aus Metall, sondern aus Holz gefertigt. Dennoch entsprachen sie in ihren Abmessungen nahezu der Originalvorlage und wurden farbig so lackiert, dass sie den ursprünglich eingesetzten Stahlrahmenkonstruktionen zum Verwechseln ähnlich sehen. Dadurch blieb die optische Wirkung des Foyers erhalten. Für den Betrachter treten die neuen Brandschutzelemente nicht als auffällige technische Nachrüstung hervor, sondern fügen sich selbstverständlich in das historische Gestaltungskonzept ein.
Diese Lösung zeigt, wie vielseitig Holz im Brandschutz eingesetzt werden kann. Obwohl das Material auf den ersten Blick nicht mit Feuerwiderstand verbunden wird, lassen sich mit geeigneten Konstruktionen und Systemen leistungsfähige Brandschutzelemente herstellen. Im Axel-Springer-Hochhaus wurde Holz nicht als sichtbarer Kontrast eingesetzt, sondern als Grundlage für eine präzise Nachbildung der historischen Metalloptik. Das Ergebnis verbindet Brandschutz, Denkmalschutz und gestalterische Kontinuität.
Detailgetreue Nachbildung der historischen Trennwände und Türen
Die ursprünglichen Glastrennwände und Glastüren im Foyer besaßen eine klare, zeittypische Gestaltung. Weiß gestrichene Stahlrahmen, Messing-Glashalteleisten, Rohrrahmentüren und Anschweißbänder im Stil der 1960er-Jahre erzeugten einen charakteristischen Eindruck. Diese Elemente waren nicht beliebige Innenausbauteile, sondern Teil der architektonischen Identität des Gebäudes. Eine einfache Ersetzung durch Standard-Brandschutztüren hätte diesen Charakter deutlich geschwächt.
Deshalb lag der Fokus auf einer möglichst originalgetreuen Nachbildung. Die neuen Türen und Trennwände mussten den historischen Elementen in Proportion, Farbigkeit und Detailwirkung sehr nahekommen. Gleichzeitig mussten sie technisch völlig andere Anforderungen erfüllen. Sie sollten im Brandfall mindestens 30 Minuten Schutz bieten und als Teil des Brandschutzkonzepts zuverlässig funktionieren. Diese doppelte Aufgabe verlangt hohe Planungssicherheit und exakte Fertigung.
Besonders anspruchsvoll waren die Dimensionen der Elemente. Die Glastrennwände erreichten eine maximale Höhe von etwa 2,7 Metern und waren teilweise über 16 Meter lang. Solche Bauteile müssen nicht nur brandschutztechnisch geeignet sein, sondern auch transportiert, montiert und exakt in den Bestand eingepasst werden. Gerade in einem sanierten Hochhaus mit vorhandenen Strukturen ist das eine anspruchsvolle handwerkliche und logistische Aufgabe. Dass die Elemente am Ende fast wie Originale wirken, ist das Ergebnis sorgfältiger Detailarbeit.
Montage durch Tischlerei Edgar Ritter Holzdesign
Eingebaut wurden die HOBA-Elemente vom HOBA-Partner Tischlerei Edgar Ritter Holzdesign GmbH & Co. KG aus Hamburg. Die Montage erfolgte innerhalb weniger Wochen. Das ist bei einem Projekt dieser Komplexität bemerkenswert, denn die Elemente waren großformatig, technisch anspruchsvoll und mussten präzise in das denkmalgeschützte Umfeld integriert werden. Hinzu kamen neun HOBA-Brandschutztüren, die ebenfalls fachgerecht eingebaut wurden.
Die Rolle des ausführenden Handwerks ist bei solchen Projekten kaum zu überschätzen. Planung und Produktqualität sind wichtig, aber erst auf der Baustelle entscheidet sich, ob die Lösung wirklich funktioniert. Anschlüsse, Fugen, Ausrichtung, Oberflächen, Beschläge und Übergänge müssen sauber ausgeführt werden. Gerade bei Glastrennwänden fällt jede Ungenauigkeit sofort auf. Im denkmalgeschützten Bestand gilt das umso mehr, weil neue Elemente sich unauffällig in eine vorhandene Gestaltung einfügen sollen.
Die Montage zeigt auch, wie eng moderne Brandschutztechnik und traditionelles Tischlerhandwerk zusammenarbeiten können. Holzbasierte Brandschutzelemente verlangen Materialverständnis, Präzision und Erfahrung. Gleichzeitig müssen sie normgerecht eingebaut werden, damit ihre Schutzfunktion gewährleistet bleibt. Im Axel-Springer-Hochhaus entstand so eine Lösung, die weder rein technisch noch rein dekorativ ist. Sie ist funktional, sicher und gestalterisch überzeugend.
Denkmalgerechte Sanierung und moderne Büronutzung
Die Sanierung des Axel-Springer-Hochhauses zeigt exemplarisch, wie sich denkmalgeschützte Bürogebäude an moderne Nutzungsanforderungen anpassen lassen. Ein Gebäude aus den 1950er-Jahren kann nicht einfach unverändert weiterbetrieben werden, wenn es heutigen Standards entsprechen soll. Energieeffizienz, Brandschutz, Raumkomfort, technische Infrastruktur und flexible Arbeitswelten stellen neue Anforderungen. Gleichzeitig darf der historische Charakter nicht verloren gehen.
Beim Springer Quartier wurde dieser Konflikt nicht durch radikalen Umbau gelöst, sondern durch sorgfältige Weiterentwicklung. Die denkmalgerechte Fassade bewahrt die äußere Identität des Hochhauses. Der erneuerte Innenausbau ermöglicht moderne Büronutzung. Die detailgetreu nachgebildeten Brandschutzelemente im Foyer sichern die Anforderungen an den Brandschutz, ohne die historische Raumwirkung zu zerstören. Genau diese Kombination ist entscheidend für den langfristigen Erhalt solcher Gebäude.
Denkmalgerechte Sanierung bedeutet deshalb nicht, ein Gebäude in einen früheren Zustand zurückzuversetzen und jede Veränderung zu vermeiden. Vielmehr geht es darum, den Wert des Bestands zu erkennen und zeitgemäße Anforderungen so einzufügen, dass die architektonische Aussage erhalten bleibt. Das Axel-Springer-Hochhaus zeigt, dass dies auch bei komplexen Bürohochhäusern möglich ist. Es bleibt als Denkmal erkennbar und wird zugleich als Arbeitsort weitergenutzt.
Rückkehr des Axel-Springer-Verlags in die sanierten Räume
Im Frühjahr 2020 zog der Axel-Springer-Verlag mit seinen in Hamburg verbliebenen Medienpartnern wieder in die sanierten Räume ein. Damit wurde die lange Verbindung zwischen Standort und Mediengeschichte fortgesetzt. Die Rückkehr ist mehr als ein organisatorischer Schritt. Sie zeigt, dass das Gebäude nach der Sanierung wieder als zeitgemäßer Arbeitsort funktioniert und zugleich an seine historische Rolle anknüpft.
Die sorgfältige Planung und detailtreue Nachbildung der Innenraumelemente tragen dazu bei, dass die Räume im Glanz früherer Tage erscheinen, ohne technisch veraltet zu sein. Gerade diese Verbindung macht den Reiz des Projekts aus. Das Hochhaus wirkt nicht museal, sondern lebendig. Es erzählt von seiner Vergangenheit und erfüllt gleichzeitig die Anforderungen der Gegenwart. Für Mitarbeitende und Besucher entsteht dadurch ein besonderer Ort, der Geschichte und aktuelle Medienarbeit miteinander verbindet.
Die Rückkehr in die sanierten Räume bestätigt auch die Bedeutung des gesamten Springer Quartiers. Das Areal wurde nicht entkernt und seiner Identität beraubt, sondern neu interpretiert. Das historische Hochhaus bleibt der Bezugspunkt, während Neubau, Mischnutzung und moderne Infrastruktur das Quartier in die Zukunft führen. So entsteht ein Stadtbaustein, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
Bedeutung für Hamburgs Innenstadt und Baukultur
Das Springer Quartier ist ein wichtiges Beispiel für die Transformation innerstädtischer Bestandsareale. Hamburg steht wie viele Großstädte vor der Aufgabe, zentrale Flächen effizient, nachhaltig und städtebaulich hochwertig zu nutzen. Abriss und Neubau sind dabei nicht immer die beste Antwort. Gerade wenn historische oder identitätsstiftende Gebäude vorhanden sind, kann die Verbindung von Erhalt und Ergänzung deutlich mehr Qualität erzeugen.
Das Axel-Springer-Hochhaus verleiht dem Quartier eine unverwechselbare Adresse. Ohne diesen historischen Kopfbau wäre das Projekt ein großes, aber weniger charaktervolles Innenstadtquartier. Durch den Bestand erhält der Neubau einen Bezugspunkt. Die Architektursprache der 1950er-Jahre wird nicht nur zitiert, sondern in ein neues Ensemble übertragen. Das schafft Kontinuität im Stadtbild und stärkt die Erinnerung an die Mediengeschichte des Ortes.
Auch aus Sicht der Baukultur ist das Projekt relevant. Es zeigt, dass technische Anforderungen wie Brandschutz, Energieeffizienz und moderne Bürostandards nicht im Widerspruch zur Denkmalpflege stehen müssen. Voraussetzung ist allerdings eine sorgfältige Planung und die Bereitschaft, Sonderlösungen zu entwickeln. Die Glastrennwände in Brandschutzqualität im Foyer sind dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Sie lösen ein Sicherheitsproblem und bewahren zugleich den Charakter des Gebäudes.
Springer Quartier Hamburg als Beispiel gelungener Revitalisierung
Das Springer Quartier in Hamburg verbindet Neubau, Denkmalschutz, moderne Nutzung und städtebauliche Verdichtung auf überzeugende Weise. Auf einer Bruttogeschossfläche von rund 60.000 Quadratmetern entstand ein gemischt genutztes Quartier mit Büros, Mietwohnungen, Laden- und Gastronomieflächen sowie einer großen Tiefgarage mit Pkw- und Fahrradstellplätzen. Der Neubau nimmt Gestaltungselemente der 1950er-Jahre auf und bezieht sich bewusst auf das denkmalgeschützte Axel-Springer-Hochhaus, das dem Ensemble als identitätsstiftender Kopfbau dient.
Besonders die Sanierung des Hochhauses zeigt, wie anspruchsvoll der Umgang mit historischer Büroarchitektur sein kann. Die neue denkmalgerechte und energiesparende Fassade, der erneuerte Innenausbau und die Anpassung an heutige Sicherheitsanforderungen machen das Gebäude zukunftsfähig. Im Foyer wurde mit gläsernen Brandschutztrennwänden und Brandschutztüren eine Lösung umgesetzt, die funktional notwendig und gestalterisch sensibel ist. Die originalgetreue Nachbildung der historischen Elemente bewahrt die Atmosphäre des Gebäudes und erfüllt zugleich die Anforderungen an den Feuerabschluss.
Damit steht das Springer Quartier für eine Form der Stadtentwicklung, die nicht einfach ersetzt, sondern weiterbaut. Das historische Axel-Springer-Hochhaus bleibt als Zeugnis der Hamburger Mediengeschichte erhalten, während das neue Quartier zeitgemäße Nutzungen und urbane Vielfalt schafft. Die Brandschutzlösung im Foyer zeigt im Kleinen, was das gesamte Projekt im Großen leistet: Vergangenheit und Gegenwart werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern präzise miteinander verbunden.